Episode #019 „GEMEINSINN“, Teil 2
Shownotes
Anja bringt Menschen ins Gespräch. Seit vielen Jahren begleitet sie Führungskräfte, Teams und Organisationen dabei, tragfähige Entscheidungsstrukturen zu entwickeln – mit der soziokratischen Kreisorganisationsmethode. In Teil 2 unseres Gesprächs geht es weniger um das WAS, sondern um das WIE: um Erfahrung, Reibung und die Realität gemeinsamer Entscheidungen…
Im Podcast erzählt sie aus der Praxis: warum Mitbestimmung nur funktioniert, wenn Verantwortung wirklich geteilt wird; weshalb Konsent nicht der kleinste gemeinsame Nenner, sondern oft die klügste Lösung ist; und warum Gemeinsinn dort wächst, wo Menschen sich ernsthaft einbringen dürfen – und müssen…
Eine halbe Stunde über Verantwortung, Entscheidungsreife und die Frage, wie Zusammenarbeit gelingt, wenn niemand mehr „oben“ entscheidet. Jetzt reinhören…
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00:00:17: Ihr Lieben, neue Ausgabe von Harald sucht den Sinn.
00:00:22: Heute mit Anja Sagarritta.
00:00:27: Anja ist Soziokratie-Expertin und Ernehmensberaterin Philosophin und wir gehen wieder auf die Suche nach dem Gemeinsinn.
00:00:39: Also Gemeinsinn Teil zwei sozusagen.
00:00:43: Anja, ich grüße dich, freue mich, dass du da bist.
00:00:47: Hallo Harald, danke für die Einladung zum zweiten.
00:00:50: Ich bin total gespannt auf unser Gespräch.
00:00:53: Ich auch, weil das erste war schon extrem spannend.
00:00:58: Und für die, die es nicht gehört haben, wir machen noch ein bisschen Werbung für unseren ersten Teil.
00:01:04: Es geht natürlich um Soziokratie und es geht darum, wie Soziokratie funktioniert, welche Vorteile es bringt.
00:01:11: Und ich erinnere mich noch an den einen Satz, dass ich sagte, Anja, du bist jemand, der, ich sage es mal, das, was zur Zeit in der Gesellschaft stattfindet, diese Spaltung durch Populisten will jetzt keinen Namen nennen, weil ich will ihnen auch keine Energie geben.
00:01:28: Also die Spaltung, die in der Gesellschaft stattfindet, du bist genau der Gegenpol, weil die Soziokratie und auch du in Persona, du stehst für das Zusammenführen, das Verbindende.
00:01:42: Aber vielleicht, wer könnte das besser, als du sagst noch zwei Worte über die Soziokratie?
00:01:47: Ja, die Soziokratie ist schon in ihrem Wortkern oder in ihrer Wortbedeutung steckt schon das Wort verbunden drinnen.
00:01:56: Sozius heißt nämlich nicht nur Freund, Geselle, Gefährte, es heißt auch Verbunden.
00:02:04: Und Kratos Kratein heißt Herrschen, Regieren.
00:02:10: und so als Verbundene miteinander regieren oder miteinander herrschen oder miteinander Entscheidungen treffen.
00:02:17: Und das ist auch wirklich damit gemeint, dass wir nicht sozusagen z.B.
00:02:22: per Mehrheit oder so abstimmen, sondern wirklich gemeinsam.
00:02:26: Also Menschen, die miteinander zu tun haben, die miteinander in Beziehung sind, regieren zusammen.
00:02:35: Das ist so der Gedanke der Soziokratie.
00:02:38: Und ganz was Wesentliches ist, das Einzelne eben nicht außen vorzulassen oder auszuschließen, weil sie vielleicht dagegen sind, sondern Einzelne eben nicht zurückzulassen, sondern das, was auch Einzelnen wichtig ist, sofern sie auch zum gemeinsamen Ganzen beitragen, das ist wesentlich.
00:03:00: Diese Sachen eben genau anschauen, weil genau dahinter steckt.
00:03:05: So eine Perspektive oder auch eine Wahrheit, was ganz wichtig ist hinzuschauen, damit wir eben nicht ganz blöde Sachen machen und genauso Einzelperspektiven eben übersehen und übergehen.
00:03:20: Also ich sage dir damals schon, da sind so schöne Ansätze dabei und für mich zählt die Gemeinschaft dazu.
00:03:26: Und zur Gemeinschaft oder aus der Gruppe.
00:03:30: Der Gemeinschaft hat jeder eine Rolle, die ihr in der Gemeinschaft einnimmt.
00:03:35: Also es ist nicht der eine besser oder andere schlechter, die eine höher gerankt oder tiefer, sondern es sind alle gemeinsam die Entscheidungen treffen.
00:03:44: Ob sie laut sind oder leise, das ist mal das eine und das andere ist, dass auch die Entscheidungen anders getroffen werden und dann auch andere Entscheidungen getroffen werden, oder?
00:03:59: Genau, das ist ganz zentrale Entscheidungen gemeinsam zu treffen und so Gleichwertigkeit zu leben und auch Gleichwertigkeit auch in den beruflichen Kontext, in den Arbeitskontext mit einzubeziehen.
00:04:14: Mit Gleichwertigkeit ist eben gemeint nicht, dass wir gleich sind, das sind wir nämlich nicht, sondern gleichwertig, wenn wir miteinander von der Sache betroffen sind.
00:04:25: Denn ist es Oder wenn wir eine Entscheidung miteinander treffen, von der wir alle betroffen sind, dann ist es eben sehr wohl wichtig, auch verschiedene Perspektiven einzubeziehen, die da dazugehören.
00:04:40: Und der eine weiß vielleicht viel zu einer Sache.
00:04:42: Jemand anders hat Erfahrungen gemacht mit einer Sache.
00:04:45: Jemand kommt mit einer ganz frischen Perspektive vielleicht zu einer Sache.
00:04:50: Und jemand hat schon sehr viel Erfahrung mit einer Sache.
00:04:54: Und diese Perspektiven zusammenzubringen hilft uns, gute Lösungen miteinander zu entwickeln.
00:05:01: Und ganz was wesentlich ist, ist es, dass es eben nicht so ein Entweder oder, dass wir entweder das oder machen und dann schauen wir was hat mehr sondern wir versuchen einen sowohl als auch also miteinander noch was wo wir das mit einbeziehen diese perspektive die gleichwertig stehen lassen zu was an und versuchen das in verbindung zu bringen oder was zu schaffen was beides inkludiert also sowohl als auch statt entweder oder.
00:05:32: das ist ganz was entscheidendes.
00:05:33: sehr schön sehr schön und wie du sagst jeder hat irgendwie eine geschichte Jeder bringt ein Wissen mit ein, was möglicherweise ein ganz anderes Wissen ist oder mutmaßlich ein ganz anderes Wissen, individuelle Fähigkeiten, Talente.
00:05:52: Und in der bisherigen Welt wurden nur die Lauden gehört oder die, die in der Hierarchie höher standen.
00:06:01: Und das finde ich jetzt an deiner Erklärung.
00:06:05: wie Soziokratie funktioniert, sehr schön.
00:06:08: Weil das klingt logisch.
00:06:11: Je vielfältiger die Gruppe ist, desto genauer wird eigentlich die Entscheidung, wenn man es genau nimmt, oder?
00:06:20: Genau, ja.
00:06:21: Durchdachter.
00:06:22: Durchdachter und auch tragfähiger.
00:06:25: Und das ist eigentlich das, was das Ganze auch ... effizient macht.
00:06:29: auf die längere Sicht hinaus oder würde ich immer sagen so im ganz schnellen sind wir natürlich schneller wenn vielleicht einer oder eine einfach so entscheidet oder wir schnell abstimmen.
00:06:41: Ein Entscheidungsprozess, wo man viele Perspektiven einbezieht, braucht vorrangig etwas länger.
00:06:49: Aber das Besondere ist ja, dass die Entscheidungen in der Regel so gut durchdacht sind, dass sie langfristig halten.
00:06:57: Und das macht die Effizienz darin auch aus.
00:07:02: Und dass Menschen hoch motiviert sind, auch gemeinsam überhaupt zu Entscheidungen zu gelangen.
00:07:10: Weil sie sie mit verantworten und auch mit umsetzen und es keine Freude macht, ewig keine Entscheidung zu treffen.
00:07:18: Also es stößt richtig ein Entwicklungsmotor an, sowohl bei den Menschen als auch beim Team.
00:07:24: Es regt wirklich die Energie auch an.
00:07:28: Und es erzählen auch viele, die in so Prozessen dabei sind.
00:07:32: Sie sagen, die Energie danach ist höher wie zu Beginn.
00:07:36: Und das ist was Besonderes.
00:07:38: Es setzt wirklich viel energiefrei, kann manchmal auch harzig und schwierig und so sein, aber es setzt energiefrei und bringt uns nach vorne.
00:07:48: Und es ist auch wirklich eine effiziente Form, miteinander Entscheidungen zu treffen im Konsent.
00:07:55: Das ist nämlich das Spezielle.
00:07:58: Man kennt, oder manche, im Internet, wenn man manchmal so herumliest, sieht man auch so, ja, es geht so langwierig, bis da alle einen Konsens oder so gefunden haben.
00:08:07: Und das Spezielle ist, wir entscheiden eben nicht im Konsens, sondern im Konsent.
00:08:13: Was so ein Buchstabe ausmacht.
00:08:15: Was so ein Buchstabe ausmacht, der macht nämlich ganz grundlegend was aus.
00:08:19: Wir müssen nicht alle mit einer Sache zu tausend Prozent oder so übereinstimmen, Aber es ist wichtig, dass niemand aus unserer Runde gewichtige Einwände dagegen hat oder trifftige Argumente, die dagegen sprechen oder vielleicht auch ein ganz massives Bauchgefühl, das dagegen spricht.
00:08:40: Wir schauen, dass die Dinge, die wir entscheiden, gut sind, sicher genug sind für uns alle hier, dass wir den nächsten Schritt machen können.
00:08:50: Und es gibt so ein Lernschub, weil es uns auch mutig macht, Entscheidungen zu treffen und mal mal auch was auszuprobieren und zu schauen und wieder zu überprüfen beispielsweise in zwei Monaten, wie hat es funktioniert, wie ist es angenommen worden und so weiter, je nachdem was wir überprüfen wollen.
00:09:09: Also es macht uns entscheidungsfreudig auch und hilft, Dinge wirklich gut zu dachten und verschiedene Perspektiven einzunehmen und die wirklich zusammenzubringen.
00:09:20: zum größeren Ganzen.
00:09:23: Du hast eben gesagt, möglicherweise ist es effizienter, wenn einer eine Entscheidung trifft, weil es vielleicht schneller geht.
00:09:29: Da bin ich mir gar nicht sicher, weil wenn die Gruppe mal geübt ist im Entscheidung, das ist ja im Moment nicht, weil die letzten Dekaden waren davon geprägt, dass einer oder eine Entscheidung getroffen hat.
00:09:44: Sozusagen, wenn das zur Normalität wird, dass wir in der Gruppe Entscheidungen treffen.
00:09:49: Ja, dann ist dich vielleicht auch in der Lage, ganz kurz und ganz schnell Entscheidungen zu treffen, weil ja die Leute im Thema sind.
00:09:57: Und ich finde das, was du gerade gesagt hast, das Energiespenden.
00:10:01: Wenn jemand merkt, er ist Teil der Entscheidung oder sie ist Teil der Entscheidung, das macht ja was mit dir.
00:10:09: Das setzt dir kräftefrei.
00:10:11: Eigentlich ist es ein schöpferischer Akt.
00:10:16: weil plötzlich kommt ein Sinn in die Sache reine Bedeutung.
00:10:21: Und dann verändert das, glaube ich, auch die Sicht auf die Arbeit und die Sicht auf die Entscheidung.
00:10:28: Ja, also ich würde das unterstreichen, was du jetzt gesagt hast.
00:10:33: Und ich möchte nochmal das zurücknehmen, vielleicht ganz kurz.
00:10:36: Wenn ich jetzt sage, es ist kurzfristig vielleicht schneller, wenn einer entscheidet, weil das kann ich in zwei Minuten tun.
00:10:42: Sobald ich mit anderen spreche, brauche ich mir als zwei Minuten.
00:10:47: Aber die Dinge sind gut durchdacht.
00:10:51: Vielleicht so ein Beispiel von einem Team, das ich begleitet habe.
00:10:55: Produktionsleiter hat damals erzählt, nachdem wir da ein bisschen reflektiert haben.
00:11:00: Wie war das so mit dem Entscheidungen-Treffen?
00:11:03: Und der hat gesagt, ja, früher hätte ich das schnell selbst entschieden, wie die beiden Abteilungen ihre Wochenabstimmung beispielsweise machen.
00:11:13: Ja, jetzt haben wir die Entscheidung gemeinsam getroffen.
00:11:16: Es ist länger gegangen.
00:11:16: Vor allem hat jemand einen Einwand gehabt auf meinen Vorschlag.
00:11:20: Was heißt ein Prozess?
00:11:22: Wir wussten das Ganze vertagen.
00:11:25: Es ist nochmal eine Runde gegangen.
00:11:26: Wir sind nochmal zusammengekommen und haben die gleiche Entscheidung mit der Wochenabstimmung noch einmal getroffen.
00:11:33: Beziehungsweise einen überarbeiteten Vorschlag gehabt und es ist nochmal durch ein Entscheidungsprozess gegangen.
00:11:38: Ich bin schon sehr auf Nadeln gehockt als Produktionsleiter.
00:11:42: dann erzählt, weil ich dachte, jetzt müssen wir da irgendwo hinkommen und dann ist noch mal gegangen.
00:11:48: und dann wurde dann eine Entscheidung getroffen.
00:11:50: und er hat gesagt, ja es hat länger gebraucht, wir haben sechs Wochen gebraucht, aber ich wusste als Produktionsleiter schon, wenn ich so entscheide, da wird ganz viel Widerstand da sein und es wird ganz schwierig diese Umsetzung bei den Mitarbeitenden in den verschiedenen Abteilungen durchzudrücken.
00:12:12: Und der Prozess war jetzt genau anders herum, dass die Meinungen und die Sichtweisen dieser Menschen schon in diesem Prozess mit drin waren und auch Bedenken und Schwierigkeiten, die entstehen, da schon mit drin waren, dass nachdem dann wirklich beim zweiten Mal die Entscheidung getroffen wurde, die Umsetzung sofort reibungslos funktioniert hat.
00:12:35: Und er hat gesagt, Es hat einfach gleich funktioniert.
00:12:39: und das ist der große Unterschied, wenn Menschen wirklich mitdenken können und wenn wir nicht davon ausgehen, dass wir als Führungskräfte oder als Einzelpersonen alles sehen, alles einschätzen, alles Know-how mitbringen, wo oft andere Menschen viel mehr Fachexpertise haben oder einfach, weil sie genau dort vor Ort sind und was es eben geht.
00:13:04: Und das macht die Effizienz dann tatsächlich aus.
00:13:07: Und Gruppen, die so arbeiten, die werden auch immer geübter.
00:13:10: Wie du gesagt hast, am Anfang ist der Klappismus, was man so drinnen hat auch und weiß, wie man sich vorbereitet oder dass man einfach Informationen schon vorab wirklich gelesen hat und so weiter, dass man dann einfach fit ist und gut entscheiden kann und gut Verantwortung übernehmen kann.
00:13:28: Das ändert sich nämlich massiv, weil wenn ich Dinge mitverantworte, Denn überlege ich mir schon genauer und beschäftige mich mit einer Sache auch genauer und schaue auch, was die für Auswirkungen
00:13:39: hat.
00:13:41: Und so im klassischen wird keiner total gut.
00:13:43: Es ist total bequem auch für mich, wenn jemand anders entscheidet und jemand anders verantwortet.
00:13:50: Also muss man ganz ehrlich sagen, oder?
00:13:53: Es ist auch sehr bequem, die Verantwortung auf andere abzuschieben.
00:13:58: Aber ich glaube, wir sind in einer Zeit und ... Wir sehen es rundherum, Krisen und so weiter.
00:14:03: Es ist so wichtig, dass jeder Einzelne wirklich anfängt, Verantwortung zu übernehmen und es nicht auf irgendjemand abschiebt.
00:14:13: Ja, weil da besteht natürlich die Gefahr, wie ich sage, immer so schön.
00:14:16: Es gibt nicht nur Ghandys da draußen, es gibt auch Trumps.
00:14:20: Also die, die die Entscheidung treffen, können auch falsche sein.
00:14:25: Insofern wäre es eigentlich viel schöner und sinnvoller, die gemeinsam zu treffen, gerade wenn es um gesellschaftliche Fragen geht.
00:14:32: Aber lasst mich nochmal auf den einen Punkt eingehen, weil das hat mich daran erinnert.
00:14:37: Meine Frau hatte kürzlich die große Freude, ein Coach kennenzulernen.
00:14:42: Und da ging es um eine Übung, die hat mich fasziniert.
00:14:46: Acht Teilnehmer bei dem Coaching.
00:14:49: Und dann ging es darum, ihr seid in einer Situation, in einer Notsituation.
00:14:55: Ihr seid irgendwo in Kanada, ihr wisst nicht wo, ihr habt keinen Kompass und nix.
00:15:00: Ihr seid vierzehn Kilometer von der nächsten bewohnten Ecke entfernt.
00:15:05: Ihr kriegt nix an die Hand, also ihr habt keine Kenntnis von irgendwas.
00:15:10: Und es ist drei Grad kalt draußen.
00:15:12: Jetzt überlegt euch doch bitte, ihr dürft fünf Gegenstände mitnehmen.
00:15:19: Welche nehmt ihr mit?
00:15:20: Und warum?
00:15:22: Also damit ihr möglichst überlebt logischerweise und dass ihr vielleicht die vierzehn Kilometer bis zur nächsten bewohnten Station überstehen könnt.
00:15:31: Und das Ergebnis, was es mal kurz und zusammen war, keine der Kandidaten hätte mit seinen fünf Gegenständen überlebt.
00:15:42: Und dann hat man das Ganze gleichzeitig gemacht.
00:15:45: Also man hat die Gruppe gefragt, diskutiert doch mal gemeinsam.
00:15:50: Und als die Gruppe die Entscheidung getroffen hat, welche fünf Gegenstände mitgenommen werden, hätten alle überlebt.
00:15:56: Also will sagen, durch das Zusammenwerfen von Wissen und von Ideen kommen wir weiter.
00:16:04: Also in dem Fall hat die Gruppe überlebt.
00:16:07: Und eigentlich war das für mich ein fantastischer Beweis dafür, dass dieser alte Spruch das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile.
00:16:15: Ist nirgends wahrer als in dem Fall der Soziokratie.
00:16:20: Dass man das Wissen einer Gruppe anzapft, das Wisdom of the Crowd sozusagen, anzapft, um die perfekte Lösung zu finden.
00:16:31: Eigentlich genau das, was du eben von den Produktionen erzählt hast, weil man viele Dinge schon vorher erklärt.
00:16:38: Und die sind logischerweise alle im Boot und gehen den Weg alle mit, weil sie Teil des Prozesses sind.
00:16:45: Und das finde ich extrem zukunftsfähig.
00:16:48: Aber jetzt lass mich noch auf den einen Punkt eingehen.
00:16:50: Du hast damals den Kreis genannt als Symbol, also das perfekte Symbol für die Soziokratie.
00:17:00: Wie kam es zum Kreis?
00:17:03: Also Kreis, Soziokratie steht ja auch für Kreis oder Kreisorganisation, Kreisstruktur auch.
00:17:12: Und was speziell aber ist in der Soziokratie, soll nicht... eine klassische Führung aushäbeln, sondern wirklich ergänzen.
00:17:22: Und das ist schon ganz wesentlich.
00:17:24: Ich habe gerade vorhin, bevor ich zu dir da hergekommen bin, habe ich mit einer Führungskraft gesprochen.
00:17:29: Die leitet eine Organisation und da haben wir auch nochmal also Partizipation, Beteiligung gelingt.
00:17:37: dann gut, wenn auch Führung gut gelingt.
00:17:40: Also es geht so Hand in Hand, es geht nicht darum irgendwie Führung auszuhebeln, sondern, ich würde mal sagen, so eine transformierte Art auch von Führung, also Menschen begleiten, die einfach Unterstützung und Hilfe brauchen, im Sinn von der dienenden Haltung.
00:17:59: Also ich diene einem Team oder einer Gruppe und wenn wir eine Entscheidungsfindung oder so stehen, habe ich immer auch ein bisschen die Aufgabe dieses Ziel auch mit dem Auge zu behalten.
00:18:13: Also das ist mir nur wichtig zu sagen, Kreis als Ergänzung zu klassischer Linienführung.
00:18:18: Also es geht so Hand in Hand.
00:18:21: Und der Kreis steht aber für was ganz anderes noch.
00:18:25: Erstens die älteste Struktur und älteste Symbol überhaupt, dass es gibt in der Menschheits- oder in der Menschheitsgeschichte.
00:18:33: Und Kreis steht für Feuer, das in der Mitte brennt auch, oder?
00:18:39: Wo wir zusammenkommen und in der Mitte eine Energie, wir können einander sehen, wir können dem anderen in die Augen schauen.
00:18:47: Das Feuer hilft uns auch, dass wir uns besser organisieren können, dass wir neue Techniken entwickeln können und so weiter.
00:18:55: Aber wenn wir uns ums Feuer herumversammeln, können wir jedenfalls Gesicht schauen.
00:18:59: Wir sind auf Augenhöhe, wir sind gleich hoch mehr oder weniger.
00:19:05: Und es steht auch für Gleichwertigkeit.
00:19:09: So, oder?
00:19:10: Wenn wir uns vorher zusammenkommen, da sind wir gleichwertig.
00:19:14: Da sieht niemand mehr oder weniger.
00:19:16: Es steht niemand vorne dran oder hat zu diktieren oder sowas.
00:19:19: Sondern da kommen wir zusammen und verhandeln unsere Dinge.
00:19:23: Und es schauen vor allem, dass wir uns, also als Stamm beispielsweise, dass wir Frieden sichern können, dass wir uns gut mit anderen vielleicht vernetzen können und besprechen einfach alle unsere Dinge, die es zu besprechen gibt.
00:19:39: Also sehr schön, ich finde das ein Kraft vor das Bild, weil jeder hat ein Bild im Kopf, wenn wir die Geschichte erzählen.
00:19:47: Und ich glaube damals, wenn es um Dorfangelegenheiten ging oder man saß im Kreis bei Sammeln und hat das besprochen.
00:19:55: Und so wie du sagtest, man riecht und fühlt das Feuer quasi, weil wir alle diesen Moment kennen, mal ums Lagerfeuer gesessen zu haben.
00:20:04: Und am Lagerfeuer, wie du sagst, es gibt kein Groß, kein Klein, kein vorne, kein hinten.
00:20:08: Also das ist physikalische Gleichberechtigung.
00:20:12: Und eigentlich würde man sich das
00:20:15: wünschen
00:20:16: in jeder Situation.
00:20:18: Und das war das, da würde ich dich bitten, vielleicht auch nochmal zwei Sätze zu sagen, weil eigentlich kann man das in der kleinsten Organisationsform anwenden der Familie, wie auch im ganzen Land, oder?
00:20:33: Also es ist in jedem Fall denkbar und für mich spricht nichts dagegen, warum das nicht auch größer gedacht funktionieren sollte.
00:20:42: Soziokratie ist nicht Demokratie, sondern es ist Demokratie und eine zutiefst menschliche Demokratie, die wirklich viele Menschen inkludiert und eben niemanden zurücklässt.
00:20:57: Und das ist, glaube ich, wirklich etwas ganz Spezielles.
00:21:00: Es ist ein Konzept, das ... in die Breite der Gesellschaft wirklich gehen kann, funktionieren kann und zutiefst demokratisch ist und auch von den Ideen und Gedanken her, also wirkliche Demokratie schaffen soll.
00:21:15: Ich habe noch in der Schule, im Studium, war Zeitlang Politikwissenschaften studiert und dort habe ich gehört, die Demokratie so und so ist sie halt, die hat allerhand Mängel, aber es ist die beste Form, die wir kennen.
00:21:32: Ja und so bin ich aufgewachsen, so bin ich in meinem Berufsleben gestartet und ich habe mich immer schon mit Beteiligung beschäftigt, also seit fünf und zwanzig Jahren.
00:21:42: Und ja, es gibt nichts Besseres, das hat Mängel, aber es ist die beste Form, die wir haben.
00:21:49: Aber als ich kennengelernt habe, wie Entscheidungen auch noch ganz anders gehen können, habe ich mir gedacht, es gibt glaubt wirklich noch eine bessere Form von Demokratie.
00:22:00: Ich würde auch sagen, das Schweizer Modell, was Demokratie anbelangt, ist demokratischer als unseres, weil es die Menschen mehr mit ins Boot nimmt und denn das Kurs viel stärker anregt, so weiter.
00:22:13: Aber ich glaube, es gibt noch... Es gibt noch wirklich eine noch viel tiefere Ebene von Demokratie, die möglich ist.
00:22:21: Und es gibt große Organisationen mit Millionen von Menschen, die das bereits leben und wirklich erfolgreich sind.
00:22:30: Was glaube ich auch noch speziell ist mit diesem Kreis, dass so etwas zutiefst menschliches berührt wird.
00:22:36: Ich bin zugehörig.
00:22:38: Und ich glaube, das
00:22:40: ist
00:22:41: das Grundbedürfnis von uns zugehörig zu sein.
00:22:45: Ich möchte, wo dazugehören.
00:22:48: Ich will gehört werden.
00:22:50: Ich will gesehen werden.
00:22:51: Für all das steht der Kreis.
00:22:54: Ich will nur kurz reingehen, weil das ist genau das, wofür auch Marken stehen.
00:22:59: Marken werden, meines Erachtens, völlig falsch verstanden, weil in Wirklichkeit.
00:23:04: schaffen sie nur Zugehörigkeit zu einer Community.
00:23:08: Das ist das, was Magen schaffen.
00:23:11: Und jetzt genau das, was du sagst.
00:23:13: Die Zugehörigkeit ist mit die größte Kraftquelle, die wir aus psychologischer Sicht in der Gesellschaft erzeugen können.
00:23:23: Also wenn wir uns zugehörig fühlen, denken und handeln wir ganz anders.
00:23:30: als wenn wir nur außerhalb des Kreises stehen und zuschauen, was da jetzt eigentlich gerade passiert.
00:23:36: Lass mich noch auf das eine Fundstück eingehen, was ich, ich glaube, heute Morgen gelesen habe, dass es uns an kultureller Vielfalt fehlt in Europa und insbesondere in den Unternehmen und in den Führungskrämien der Unternehmen.
00:23:54: Und jetzt gab es eine Untersuchung, eine Studie, wonach allein in Deutschland die mangelnde oder fehlende kulturelle Vielfalt, ein Loch von etwa einhundert Milliarden Euro reißt.
00:24:08: Also wir wären irgendwie hundert Milliarden Euro reicher, wenn wir für mehr Vielfalt sorgen würden.
00:24:15: Und eigentlich ist das hier genau dein Thema.
00:24:17: Also wenn wir vielfältig Entscheidungen treffen, also wenn das Team vielfältig ist, dann kommen ja noch viel mehr Lebensläufe, Lebenserfahrungen und Talente in die Entscheidungsfindung rein.
00:24:36: Und dann treffen wir zwangsläufig bessere Entscheidungen.
00:24:42: Ich glaube so eine Sache, also ich finde es total spannend, was du sagst, ob wir das hochrechnen in Zahlen.
00:24:50: Und es ist aber für mich total nachvollziehbar, Ich glaube, was es braucht, um auch mit einer großen Vielfalt umzugehen, auch in einem Entscheidungsprozess, ganz viel innere Arbeit auch.
00:25:06: Also ich bin mit mir selber dann auch konfrontiert.
00:25:09: Und natürlich ist es leicht zu sagen, okay, Leute so und so, machen wir das jetzt Punkt aus armen Schlusstag, oder?
00:25:15: Ob es dann wirklich so leicht ist, ich habe die andere Frage.
00:25:20: als das andere, wo ich mit mir selber auch konfrontiert bin, dass jemand anders die Dinge ganz anders sieht, dass jemand, wo ich vielleicht denke, der hat eh nicht so etwas Wichtiges zu sagen oder so dieser Person genauso zuzuhören.
00:25:36: Also ich bin mit verschiedenen Dingen auch wirklich konfrontiert, andere gleich wichtig zu nehmen, wie mich selber andere Meinungen wirklich zu hören, auszutarieren.
00:25:46: Was macht es mit mir auch?
00:25:48: Also so die Ich würde sagen, die innere Arbeit von jedem ist natürlich wesentlich gefordert, da mehr gefordert, als, wenn man so klassisch denkt, Ansage, Ausführung, Ansage, Ausführung.
00:26:04: Und das ist ja in der ganzen New Work Thematik, will man so sagen, großes Aha auch das New Work.
00:26:14: Also neue Formen von Arbeiten, Menschen einladen, kulturelle Vielfalt einladen, jüngere, ältere, Branchen übergreifend usw.
00:26:24: zu arbeiten.
00:26:27: Dass es auch innere Arbeit ist, dass das New Work funktionieren kann, aber nur wenn wir uns auch innen entwickeln.
00:26:38: Und gern wollen wir Dinge im Außen verändern, aber wirklich verändern sich Dinge, wenn wir sie aus dem Inneren heraus verändern.
00:26:48: Außen wächst, wenn wir ihnen
00:26:50: wachsen.
00:26:51: Das kannst du auf alles übertragen.
00:26:53: Kannst du auf Nachhaltigkeit übertragen und auf Klimaschutz, auf New Work, auf Familie, auf Schule, auf alles.
00:27:01: Auf Politik.
00:27:03: Und weil du das eben gerade sagtest, man ist ja geneigt.
00:27:07: eigene Kopien zu bevorzugen, also als Führungskräfte.
00:27:11: Man stellt Leute ein, die so ticken wie man selbst, weil dann versteht man die gut.
00:27:16: Und das, was du sagst, die innere Arbeit besteht eigentlich darin, dass man Leute sucht, die genau das Gegenteil von einem selbst sind, weil das bereichert den Prozess.
00:27:27: Aber das setzt natürlich voraus, dass man die auch gar nicht versteht am Anfang.
00:27:30: Also man muss mit sich und mit der Person oder den Personen arbeiten.
00:27:36: Das ist natürlich weit außerhalb der Komfortzone.
00:27:40: Aber wie wir beide wohl wissen, genau da entsteht die Zukunft.
00:27:46: Ja und Magic.
00:27:48: Das sind genau die Stellen, wo das wirklich entsteht.
00:27:51: Ich finde es spannend, wie du das so ansprichst.
00:27:54: Auch wenn es um einen Transformationsprozess ist.
00:27:58: Nicht endet, würde ich mal sagen, sondern einfach so eine Entwicklung von innen heraus, also auch inneres Wachstum.
00:28:06: Wenn so ein Prozess auch ist, gibt es immer wieder diese Stellen, wo wir merken, Ortstag.
00:28:12: oder das vielleicht gerade schwierig, oder da kommt Widerstand, oder jetzt bin ich mit so.
00:28:18: Es braucht wieder einen neuen Mut, einen Schritt weiterzugehen, auch wenn ich vielleicht noch nicht alles weiß und noch nicht jedes kleinste Detail oder was abschätzen kann und so, sondern manchmal Mut und Vertrauen, einen Schritt weiterzugehen, so Schwellen sozusagen auch zu überschreiten, oder?
00:28:35: Und dann kann wieder Magic entstehen.
00:28:38: und Ja, das ist einfach auch echt innere Arbeit, wirklich innere Arbeit.
00:28:44: Und ich glaube, das ist heute wichtiger, wichtiger denn je, wirklich wichtiger denn je bei all den Dingen, die da sind von Digitalisierung und Krisen und Sachen und so weiter, die wir hören.
00:28:56: Und auch Stimmung, oder?
00:28:58: Stimmung, was man so wahrnimmt, wirklich mich mit mir auch zu beschäftigen.
00:29:05: Gut, auf meine eigenen Energien auch zu achten, mit mir in Verbindung wirklich zu kommen.
00:29:11: Also wirklich mich zu spüren auch und gut mit mir verbunden sein, damit ich dann auch mit anderen gut verbunden sein kann und andere auch unterstützen kann im Wachsen.
00:29:21: Weil wachsen können wir nur durch andere.
00:29:25: Aber schau jetzt, was ich so fantastisch finde, ist, wir leben in einem digitalen Zeitalter.
00:29:33: Die KI ist im Begriff viel Einfluss zu nehmen.
00:29:37: Und wir beide stellen jetzt hier gerade wunderbarerweise fest, dass wir jetzt in eine Phase kommen, wo das menschliche, das innere Wachstum, das intrinsische, das Miteinander, die Vielfalt, die kulturelle Vielfalt immer wichtiger werden.
00:29:56: Also die Skills ganz andere sein werden, die in Zukunft über Erfolg und Misserfolg entscheiden.
00:30:06: Und unsere Gesellschaft ist im Begriff diese beiden Transformationsprozesse quasi parallel im Parallelflug erledigen zu müssen.
00:30:18: Und das ist extrem spannend.
00:30:19: Ja, das ist spannend.
00:30:21: Ich bin total gespannt, wie das auch weitergeht.
00:30:25: So mein persönlicher Eindruck ist, gerade die letzten, ich würde mal sagen, zwei, drei Jahre, man kriegt auch immer, frag ich auch Anja, hast du nicht das Gefühl, das ist totale Sozialromantik und so weiter, wenn man das heute anschaut, so und ich sage, nein, nein, nein, also Sozialversorgung soll schon Sozialromantik so sein, also ich bin zu tiefst.
00:30:50: überzeugt, dass es allen Menschen gut gehen darf und soll auf diesem Planeten.
00:30:56: und nicht nur den Menschen soll es gut gehen sondern es soll einfach allem und auch allen Wesen rundherum gut gehen soll sich entwickeln dürfen und so weiter und ist sicherer Zeit wo so ein bisschen herausfordernd ist oder nicht nur ein bisschen und ich glaube aber das so wichtig ist Das Dinge, wo wir vor ein paar Jahren schon erkannt haben und ich würde mal sagen in einer großen Breite schon erkannt haben, wir wollen eigentlich in eine andere Richtung weitergehen.
00:31:30: Ich habe das Gefühl, man hat ein bisschen so eine Rückwärtsschleife gerade, aber es kann dann gut sein, dass es nachher wieder nach vorne weitergeht.
00:31:38: Lass mich das kurz einlegen, weil die Menschen im Krisenmodus auf Bewertes zurückgreifen.
00:31:47: nicht auf Neues, weil das Bewerbe gibt erst mal noch eine Sicherheit.
00:31:51: Insofern finde ich die Reaktion, die im Moment stattfindet eher logisch und nachvollziehbar.
00:31:57: Ich glaube dennoch, dass sich die Entwicklung in die andere Richtung in die humanistische, weil für mich auch zum Humanismus dazu gehört, dass der Planet Teil des Humanismus ist, das wird weitergehen und wir wollen uns die Frage stellen müssen, was ist dann Wohlstand für uns?
00:32:16: Geld oder Lebensqualität.
00:32:21: Das ist eigentlich die große Frage.
00:32:25: Ja, und dass wir halt heute so viel Zeit oder Zeit haben mit den liebsten Menschen Zeit
00:32:31: verbringen
00:32:32: oder Dinge, die nie wichtig sind oder zum Schreiben oder vielleicht zum Musik machen oder was auch immer.
00:32:39: Also wirklich Zeit zu haben, Beziehungen pflegen zu können.
00:32:44: Und ich glaube, Und das haben weiße Menschen vor mir schon gesagt.
00:32:49: Ich glaube fest daran, dass wir, wie auch so einen gewissen Wohlstand, wir sind in einer sehr wohlständigen Gesellschaft.
00:32:59: Und was nicht heissen will, dass es nicht, auch genug Menschen gibt, denen es vielleicht nicht so gut geht.
00:33:05: Wir leben aber in einer sehr wohlständigen Gesellschaft.
00:33:08: Und ich glaube mal, dass wir das auch wie brauchen, um erkennen zu können, dass Wohlstand allein oder Geld allein noch nicht das ist, was wir uns zutiefst, vielleicht wünschen oder erhoffen.
00:33:20: Aber man muss das vielleicht zuerst haben, also bis zu einem gewissen Grad zuerst haben, um zu realisieren, da gibt es doch vielleicht noch mehr.
00:33:30: Ich sehe es genauso wie du.
00:33:33: Deswegen finde ich es auch falsch.
00:33:35: von anderen jetzt Abkürzungen zu verlangen.
00:33:37: So nach dem Motto, ja wir wissen jetzt schon, was besser wäre.
00:33:41: Die sagen aber, Moment, ihr habt das jetzt fünfzig Jahre praktiziert, jetzt sind wir dran.
00:33:46: Wir lassen das nicht von euch verbieten.
00:33:48: Ja, also ich glaube, eine gewisse Form von Wohlstand ist wichtig, einfach um die Entscheidung treffen zu können.
00:33:54: So, ich sage immer, die alten Äquipter waren deswegen auch in der Philosophie so weit vorne, weil sie hatten im Grunde keine Sorgen.
00:34:03: Der Fluss sorgte für sie.
00:34:04: Also sie waren versorgt.
00:34:07: Sie mussten sich über ihre Existenz keine Gedanken machen.
00:34:09: Das heißt, sie hatten Zeit und Lust und Musen, sich um andere Dinge zu kümmern.
00:34:15: Aber wenn man in existenziellen Ängsten steckt, ist es schwierig, sich darum zu kümmern.
00:34:22: Also insofern haben wir im Grunde in unserer Welt hier, in unserer Bubble auch eine Verantwortung.
00:34:27: Genau.
00:34:28: Genau mit dem, was wir haben, mit unserem Wohlstand, mit dem Wissen, mit dem, was uns möglich ist, irgendwie auch verantwortungsvoll umzugehen.
00:34:39: Ja, vielleicht noch ganz spannend, weil der New Workvater, der Fritjoff Bergmann, da hat er so eine Vorstellung gehabt von Arbeit, die so dreigeteilt ist und ein Teil von seiner Von der Arbeit ist Lohnarbeit.
00:34:55: Also das wirklich so viel verdienen, zwei Tage vielleicht in der Woche, dass ich wirklich meine Grundbedürfnisse stillen und decken kann, meine Miete zahlen kann und das, was ich einfach zum Leben unbedingt brauche, gedeckt ist.
00:35:09: Der zweite Teil der Arbeit, meine seiner Vorstellung, ich kann zum Beispiel in meiner Gemeinde gibt es eine Werkstatt, da kann ich mein Tisch reparieren oder meine Jacke flicken oder was auch immer.
00:35:23: dass ich so ein bisschen selbstversorgend mit Dingen umgehen kann, mir mein Zeug selber machen kann und dass es vielleicht auch Biogärten oder so gibt, Gemeinschaftsgärten, wo jeder sein Obst und sein Gemüse anpflanzen kann.
00:35:37: Und der dritte Teil der Arbeit, was soll zu sagen, das zu tun, was ich wirklich, wirklich will.
00:35:44: Und er hat immer zweimal wirklich gesagt, das zweite wirklich steht wirklich fürs eine Ebene tiefer zu gehen.
00:35:53: Und so was wirklich das mir ureigenste ist, was ich der Welt schenken möchte, meine Gaben, dass ich das wirklich machen kann.
00:36:03: Und vielleicht läuft das dann so gut, dass das auch meine Lohnarbeiter oder so deckt, aber der Gedanke ist... ist vielleicht klar, oder?
00:36:12: Und wenn wir heute so anschauen, das sind immer mit manchen Dingen auf der gleichen Schiene unterwegs, aber wie wir vorhin schon gesprochen haben, produzieren in der gleichen Zeit um ein Vielfaches mehr, oder?
00:36:23: Wir sind mit so viel Informationen und Dingen gefüllt und da ist in kurzer Zeit eigentlich die Dinge so viel dichter, als sie vielleicht früher einmal waren, dass das eigentlich irrsinnig ist, wenn wir, muss alles genau gleich so weitergehen und einfach immer nur noch produktiver arbeiten und das Letzte noch irgendwie herausdrücken, was da noch drinnen ist.
00:36:50: Letzte Tropfen aus der Zitrone rausgewätschen, so kann es mir manchmal.
00:36:53: Ja, ja, genau.
00:36:54: Aber es hat schon seinen Grund, warum in Deutschland allein viertausend Psychologen und Psychologinnen fehlen.
00:37:00: Also das hinterlässt auch Spuren.
00:37:04: Wir sind schon wieder am Ende.
00:37:06: Wir würden jetzt schon wieder noch zwei weitere oder vier weitere Themen einfallen für uns.
00:37:11: Lass dir tausend Dank sagen für die Zeit, für den wunderbaren Einblick in deine Arbeit, in die Soziokratie.
00:37:18: Und ich glaube, du weißt, wie ich dazu stehe.
00:37:21: Das ist einfach eine fantastische Möglichkeit, Menschen in das, was uns alle betrifft, einzubeziehen und da auch eine ganz andere schöpferische Kraft zu entwickeln.
00:37:34: Danke Harald, hat mir wieder total viel Freude gemacht
00:37:38: und
00:37:39: freue mich auf ein Wiedersehen.
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